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Soshisha
Das Zentrum fE die Minamatakrankheit
Umweltkonferenz Sockholm 1972



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10 Fakten Eer Minamata
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Umweltkonferenz Stockholm'72
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Der Appell von Stockholm

Juli 1972

Minamata ist eine ruhige "ländliche" Stadt im SEen der Präfektur Kumamoto auf der Insel Kyushu, wo die Berge sanft zum Shiranuimeer hin abfallen, das mit einem reichen Fischbestand gesegnet ist. FE die Menschen dort ist das Meer sozusagen wie ein Vorgarten und sie lebten stets im Einklang mit der Natur. Doch leidet dieses Meer jetzt Todesqualen, denn es wurde durch die Industrieabwässer der Fabrik von Chisso zerstört. "Ach, wenn es doch diese Fabrik nicht gäbe..." Die Leute wissen, dass dies Wunschdenken ist, aber sie können nicht aufhören zu klagen. Vielleicht wäre ihr Leben besser gewesen, wenn "die Fabrik" kein Gift verklappt hätte.

Chisso Minamata verwendete seit 1932 Quecksilber als Katalysator fE die Acetaldehydproduktion. Dieses Quecksilber wurde fortlaufend in das Shiranuimeer geleitet, Schätzungen zufolge waren es etwa 600 Tonnen!

Anzeichen des Todes gab es recht bald: An der KEte trieben viele tote Fische im Wasser und die toten Muscheln begannen zu stinken. Krähen, die sich von diesen Fischen ernährten, fielen plötzlich tot vom Himmel. Danach wurden die Katzen verrEkt und 1942 litten auch die ersten Menschen an dieser seltsamen und geheimnisvollen Krankheit.

Die Vortragenden werden Ihnen später Einzelheiten schildern. Gegenwärtig gibt es 181 anerkannte Patienten, darunter 29 Kinder, die mit Minamatakrankheit auf die Welt kamen. 54 von ihnen sind bereits gestorben, etwa 350 Menschen werden auf Grund ihrer Symptome medizinisch behandelt. Etwa 2000 Menschen sollen sich laut einer Massenuntersuchung der Präfekturen Kumamoto und Kagoshima genauer untersuchen lassen.

Im September 1968 hat die Regierung (Das Gesundheitsministerium) endlich die Minamatakrankheit als "Krankheit, hervorgerufen durch Umweltverschmutzung" anerkannt und festgestellt, dass diese durch organische Quecksilberverbindungen in den Abwässern der Fabrik von Chisso in Minamata verursacht worden ist. Dabei waren schon 15Jahre vergangen, seitdem der erste Patient gemeldet worden war.

Unterdessen versuchte Chisso mit allen Mitteln, Untersuchungen seitens der medizinischen Fakultät der Universität Kumamoto zu behindern. Beispielsweise weigerte man sich, mit den Forschern zu kooperieren und hielt Informationen Eer den Produktionsprozess, sowie die Bestandteile in den Abwässern zurEk. Außerdem hatten Theorien zur Entstehung der Minamatakrankheit, wie die "Sprengstofftheorie" von Dr. Oshima, sowie die "Amin-Theorie" von Dr. Kiyoura Tokida Einfluss auf die öffentliche Meinung.

Die Forschungsgruppe stand daher häufig vor vielen Schwierigkeiten. Chisso profitierte davon zahlte den Fischern und den Opfern der Krankheit keine Entschädigung. Im Gegenteil, Chisso leitete sogar weiterhin die gefährlichen Abwässer ins Meer.

Trotz der Regierungserklärung von 1968 stritt Chisso jede Verantwortung ab. Erst als die öffentliche Meinung zu Ungunsten von Chisso umschlug, grEdete Chisso zusammen mit dem Ministerium fE Wohlfahrt das "Komitee fE Entschädigungszahlungen und Behandlung fE Opfer der Minamatakrankheit". Nach einem Jahr Eerbrachte das Komitee seine Ergebnisse sowohl Chisso, als auch den Betroffenen. Aber es war nur ein Aufguss des "mimaikin" (Schmerzensgeld) Vertrages, der den Opfern 1959 vom damaligen Gouverneur der Präfektur Kumamoto, Kosaku Teramoto, aufgezwungen worden war. Das Komitee verurteilte Chisso nur zu kleinen Entschädigungszahlungen, ohne auf die Frage nach Übernahme der Verantwortung einzugehen. Das mit "neutralen" Personen besetzte Komitee ließ somit zu, dass Chisso weiterhin keinerlei Verantwortung fE die Minamatakrankheit Eernehmen musste. Einige Patienten und ihre Familien sahen sich gezwungen, den Vorschlag des Komitees anzunehmen, obwohl sie wussten, dass dieser völlig unzureichend war. Aber ihre Armut und auch der Druck der Anhängerschaft von Chisso ließ ihnen keine andere Wahl.

Aber einige Opfer konnten das Verhalten von Chisso nicht länger ertragen und verklagten die Firma auf Schadensersatz. FE diese Menschen, die von Chisso geopfert und fE so lange Zeit von Staat und lokalen Regierungen vernachlässigt und von der lokalen Gesellschaft isoliert worden waren, fE eben diese Menschen war dies ein unglaublich wichtiger Kampf.

Andererseits wurden erst kEzlich einige schockierende Fakten aufgedeckt, darunter die schon bereits erwähnten "verborgenen Patienten". Die Zahl der Antragsteller schnellte in die Höhe, nachdem die Regierung 1968 ihre Meinung zu dem Fall bekannt gegeben hatte. Das bedeutet, dass es in Minamata immer noch viele versteckte Minamatapatienten geben muss. Tatsächlich wurden 1971 im Zuge einer Studie der medizinischen Fakultät der Uni Kumamoto in dem Ort Goshonoura bei Amakusa 138 Menschen entdeckt, die Symptome aufwiesen, die der Minamatakrankheit ähnelten.

Warum haben Ärzte und Wissenschaftler nicht anerkannt, dass es verborgene Patienten gibt?

Ein Grund hierfE ist der, dass die Kommission zur Anerkennung von Minamatapatienten nur diejenigen als Opfer der Minamatakrankheit anerkannt hatte, die am Hunter - Russel Syndrom leiden. (Die meisten der 14 Mitglieder der Kommission haben sicherlich einen Teil zur Untersuchung der Minamatakrankheit beigetragen.) Die Kommission war also der Meinung, dass die Patienten Eer 10 Jahre lang am Hunter - Russel Syndrom leiden sollten. So gesehen ist es kein Wunder, dass so viele Opfer nicht beachtet worden sind.

Über kurz oder lang ist die Einstellung der Kommission von vielen Menschen in Frage gestellt worden, vor allem von den nicht anerkannten Patienten. Letztere "wussten" intuitiv, dass auch sie an der Minamatakrankheit leiden und stellten nun ebenfalls Anträge auf Anerkennung bei der Kommission. Sie benötigten ärztliche Behandlung und sahen sorgenvoll in die Zukunft. Doch die Kommission lehnte ihre Anträge ab und verweigerte jedwede Erklärung. Seither mEen sich die nicht anerkannten Patienten in ihrem langen und schwierigen Kampf. Im Folgenden nun ein kurzer chronologischer Abriss ihrer BemEungen:

12.10.1968 Einreichen der ersten Anträge auf Anerkennung als Minamatapatient bei der Regierung der Präfektur Kumamoto. (Die Kommission zur Minamatakrankheit wird von der Präfekturregierung gestellt.)
29.05.1969 Die Kommission lehnt die Anträge ab.
08.09.1969 Die Patienten stellen zum zweiten Mal Anträge.
24.06.1970 Die Kommission lehnt die Anträge wiederum ab.
18.08.1970 Neun der abgelehnten Patienten sprechen bei höheren Behörden vor. (Beim damaligen Gesundheits- und Wohlfahrtsministerium, seit 1971 die Umweltbehörde.)
07.08.1971 Die Umweltbehörde ordnet eine Annullierung der bisherigen Entscheidungen der Kommission, und eine neue Untersuchung an.
02.10.1971 Neue Untersuchung der Fälle der neun Opfer.
08.10.1971 Endlich Anerkennung als Minamatapatienten.
Diese Opfer wurden schließlich als Minamatapatienten anerkannt, aber das Problem war damit noch nicht gelöst. Chisso versuchte, die Entschädigungsforderungen an den "Öffentlichen Rat zur Lösung von Streitigkeiten" abzuwälzen. Aber die Opfer ließen sich nicht täuschen und forderten Entschädigungen von Chisso direkt. Diese sogenannten "direkten Verhandlungskämpfe", bei denen die Opfer den Verursacher direkt konfrontierten und ihn fE die Krankheit verantwortlich machten, trugen ihnen viele Sympathien ein. Es war in der Tat eine der aufsehenerregendsten Bewegungen in Japan. Was wir oben erwähnt haben ist nur ein grober Umriss der Krankheit und der Geschichte des Kampfes ihrer Opfer.

Die Minamatakrankheit und der Kampf der Patienten finden mittlerweile in der ganzen Welt Beachtung und viele Sympathisanten haben ihnen schon geholfen. Aber auch wenn der aktuelle Kampf zu Ende gehen, und der Gerichtshof eine Entscheidung zugunsten der Betroffenen fällen sollte, werden die bereits Verstorbenen nicht wieder lebendig und die VerkrEpelten nicht mehr gesund. In der Zukunft werden sie ihre Schmerzen ertragen mEsen und auch Geld kann ihnen nicht helfen.

Eine Mutter, deren Sohn mit Minamatakrankheit auf die Welt kam, berichtet von ihrem Kummer: "Wenn ich eines Tages sterbe, dann wird auch er sterben. Wer kEmert sich denn um ihn nach meinem Tod? Er kann weder selber essen, noch trinken oder gar laufen." In einem anderen, schweren Fall bezeichneten die Ärzte das Opfer als "dahinvegetierende, lebendige Puppe". Selbst Patienten, die als "leichter Fall" eingestuft werden, mEsen alltäglich viele Schwierigkeiten bewältigen, da sie an Hör-, Sprech- und Gehstörungen leiden. Moderne, automatisierte Fabriken werden diese Leute nicht einstellen, da man fE die Arbeit dort konzentriert sein muss und die entsprechenden physischen Voraussetzungen erfElen muss. Außerdem mEsen die Opfer ihr Leben ständig neuen Situationen anpassen.

Die schwere Konfrontation mit Chisso hat mit den Aktionen und "Direktverhandlungen" der Opfer und ihrer Angehörigen einen Höhepunkt erreicht. Aber es ist klar, dass durch Aktionen und Verhandlungen Schmerzen und Kummer nicht einfach weggewischt werden können. Wenn wir uns an den langen Kampf der Patienten erinnern, können wir ihre Stimmen, die: "Wir wollen kein Geld! Trinkt Euer Quecksilber selber, Sie, Präsident von Chisso und Ihr anderen Verantwortlichen!" schrieen, nicht vergessen. Sie erinnern uns an den Ernst der Minamatakrankheit.

Sowohl der Staat, als auch einige Regionalverwaltungen haben sich nicht um medizinische und soziale Hilfen fE die Opfer der Krankheit gekEmert und so wird das weiter gehen. Deshalb mEsen wir jetzt an der Seite der Betroffenen stehen und mit ihnen kämpfen! Daher haben wir folgenden Appell zur Eröffnung eines Zentrums fE die Minamatakrankheit beschlossen:

Vorwort:

Wir wissen nicht, in welche Richtung sich dieser Kampf entwickeln wird, aber zfoot_blndest glauben wir daran, dass es unsere dringende Aufgabe ist, die Opfer und ihre Familien mental und materiell zu unterstEzen. Deshalb appellieren wir hier, an dieser Stelle, an alle Menschen auf der Welt, ein "Minamata - Zentrum" zu eröffnen. Dies hier soll eine positive Erklärung fE den ewigen Kampf gegen die Minamatakrankheit sein und es soll ein sehr wichtiges Fundament fE alle zukEftigen Minamata - Bewegungen sein.

Memorandum

  1. Funktionen des Zentrums:
    1. Es soll ein Ort der Begegnung zwischen den Opfern, ihren Familien und Sympathisanten sein.
    2. Ein Ort an dem man sich trifft und Informationen des täglichen Lebens, der Bewegung austauscht, Eer zukEftige Aktivitäten diskutiert, und in Gesellschaft mit den Anderen Spaß haben kann.
    3. Wir planen die Errichtung einer Klinik fE eine umfangreiche medizinische Versorgung, aber vorerst möchten wir den Patienten die Möglichkeit fE regelmäßige Untersuchungen und Beratungen verschaffen, sowie einfache medizinische Behandlungen und dergleichen durchfEren.
    4. Das Zusammenstellen und Sammeln von Daten, Erhaltung und Ausstellung einer großen Anzahl Materialien Eer die Geschichte der Stadt Minamata und Chisso, sowie Materialien Eer die Opfer und deren Familien, medizinische Studien Eer die Minamatakrankheit und Informationen zu der BEgerinitiative Eer die Minamatakrankheit.
    5. Das Zentrum soll auch als Beratungsstelle fE die Opfer und deren Familien fungieren. (Hilfe bei der Arbeitssuche, Ausbildung, Hochzeitsvorbereitungen etc.)
    6. Die Opfer und ihre Familien erhalten die Möglichkeit, Landwirtschaft zu betreiben und Produkte aus Eigenanbau zu verkaufen. (Dieses Experiment wurde bereits im kleinen Stil durchgefErt.)
  2. Ort des Zentrums:
    Stadt Minamata, Präfektur Kumamoto, Japan
  3. Zeitplan:
    Baubeginn im Januar 1973, Fertigstellung Ende Dezember 1973.
  4. Gesamtkosten:
    100.000.000 Yen.
  5. So können Sie den Fonds unterstEzen:
    Bitte kontaktieren Sie das Vorbereitungskomitee fE die Etablierung des Minamatazentrums.
  6. Errichtung des Zentrums
    Adresse: Ffoot_blko Hiyoshi, Makinouchi, Minamata City, Japan

Die Antragsteller:

Ffoot_blko Hiyoshi (Präsidentin des BEgerrates der Minamatakrankheit)
Hirotsugu Shiraki (Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Tokyo)
Jun Ui (Assistent an der Technischen Fakultät der Universität Tokyo)
Junji Kinoshita (Dramatiker)
Keikichi Honda (Repräsentant der Gesellschaft zur Verurteilung der Minamatakrankheit)
Kenji Tanigawa (Kritiker)
Nao Harada (Herausgeber der Monatszeitschrift "Tembo")
Rokuro Hidaka (Soziologe, ehemaliger Professor an der Universität Tokyo)
Yuko Mochizuki (Mitglied des Beratungshauses)
Yutaka Shinoyama (Asahi Newspaper Company)
Noriaki Tsuchimoto (Regisseur)
Michiko Ishimure (Autorin)

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